12/07/2010 Ungleichheit zwischen den GenerationenSehr geehrte Damen und Herren,
„Nun gut, dann tanzt doch jetzt!" Erinnern sich unsere Entscheidungsträger noch an Jean de La Fontaines Fabel und die Weigerung der Ameise, der Grille etwas zu leihen, die den ganzen Sommer lang gesungen hatte und sich völlig mittellos fand, als der kalte Nordwind kam?
Die Auswirkungen der Griechenlandkrise müssten auf zahlreiche europäische Staatstitel den Effekt einer ernsthaften Warnung haben. Die Sparer gehen nun nicht mehr davon aus, dass Staatsanleihen vom Ausfallrisiko ausgenommen sind. Dies zwingt die Staaten, eine verantwortungsvolle Wirtschaftspolitik zu verfolgen.
Somit stehen unsere Entscheidungsträger vor der schwierigen Aufgabe, die nötigen Anpassungen sozial akzeptabel umzusetzen. Der öffentlichen Verschuldung muss Einhalt geboten werden, um die Zukunft zu sichern. Dadurch wird das Fortschreiten der größten Ungleichheit in unseren alternden Nationen gehemmt: jenes der Ungleichheit zwischen den Generationen. Es liegt an uns, die Rechnung für unsere Zügellosigkeit zu bezahlen, und nicht an unseren Kindern und Enkeln. Wir, die vermögende Generation der Babyboomer, müssen ambitionierte Reformen akzeptieren - sowohl des Rentensystems als auch der Arbeitsgesetzgebung, welche oft fragwürdige Errungenschaften aufrechterhalten.
Wie sieht es mit den Börsenmärkten aus? Geschwächt von der europäischen Schuldenkrise und der unvermeidlichen Verlangsamung der amerikanischen Wirtschaft fürchten sie am Sommeranfang eine Rückkehr der weltweiten Rezession. Wir halten dies für fraglich. Natürlich verfügen sowohl Europa als auch die Vereinigten Staaten über einen eingeschränkten Handlungsspielraum für fiskal- und geldpolitische Maßnahmen, mit denen sie den langfristigen Auswirkungen des gegenwärtigen Abbaus der Fremdverschuldung begegnen können. Jedoch ist es, wieder einmal, sehr einfach zu vergessen, dass der Schwerpunkt des weltweiten Wachstums nun in den Schwellenländern liegt, deren wichtigste Wachstumstreiber über ausreichende Ressourcen verfügen, um die weltweite Wirtschaftstätigkeit bei Bedarf erneut in Schwung zu bringen.
Ich wünsche Ihnen während Ihres Urlaubs einen möglichst „ruhigen Tanz".
Mit freundlichen Grüßen
Edouard Carmignac