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L'édito d'Edouard Carmignac - 3. Quartal 2011

Gestion d'actifs20/10/2011  Brief an Herrn Jean-Claude Trichet

Paris, den 05. Oktober 2011

Sehr geehrter Herr Trichet,

Adieu, wir bedauer Ihren Abschied nicht! Sie haben der französischen Industrie im Verlauf Ihrer Karriere durch Ihre Politik des starken Französischen Franc in den Neunzigerjahren einen tödlichen Stoß versetzt. Sodann haben Sie die Auswirkungen der Krise von 2008 verschärft, indem Sie deren Ausmaß unterschätzt haben. Und schließlich haben Sie unlängst den Euro durch übereilte Zinserhöhungen und eine Politik der stets unzureichenden Schuldenhilfe für die geschwächten europäischen Länder in Gefahr gebracht.

Morgen werden Sie zum letzten Mal die Sitzung des EZB-Rates leiten. Sie werden aus diesem Anlass eine einzigartige Gelegenheit haben, Ihre Zeit bei der EZB erfolgreich zu beenden. Daher erlaube ich mir, Ihnen folgende Vorschläge zu unterbreiten:

- Senkung des Leitzinses der EZB auf 0 Prozent. Die sofortige Reduzierung der Zinsbelastung in der Eurozone von derzeit 1,5 % würde eine gute Gelegenheit zum Atemholen bieten, insbesondere für die am meisten geschwächten Mitgliedstaaten. Ein solcher Schritt wäre zudem auch deshalb verdienstvoll, weil er uns helfen würde, die Überbewertung des Euros zu bekämpfen, die seit fast fünf Jahren unsere Exporte belastet.

- Absichtserklärung, in unbeschränkter Höhe und ohne Beschneidung dieser Maßnahmen Staatsanleihen von Ländern zu erwerben, die in Schwierigkeiten sind. Um jede Art von negativer Entwicklung zu verhindern, könnte Folgendes vorgesehen werden: Ab dem Moment, in dem die Summe aller Ankäufe der Bank eine als Prozentsatz vom BIP des betreffenden Landes ausgedrückte Schwelle überschreitet, muss sich dieses Land einem strukturellen Anpassungsprogramm des IWF unterwerfen. Eine stärkere Präsenz der EZB am Markt für Staatsanleihen würde zwei erhebliche Probleme gleichzeitig lösen. Sie würde den geschwächten Ländern wieder den Marktzugang zu Bedingungen eröffnen, die kein Hindernis mehr für sie darstellen. Zugleich würde sie die europäischen Banken von der mehr als problematischen Verpflichtung befreien, eine sofortige und umfangreiche Rekapitalisierung vorzunehmen, zu der sie durch den starken Wertverlust der Staatsanleihen in ihren Portfolios gezwungen werden. Schließlich würde - auch wenn die Monetaristen dies anders sehen - die Schaffung von Liquidität im Gefolge dieser Maßnahmen keinen Inflationsdruck erzeugen. Sie würde lediglich den mächtigen Deflationsdruck reduzieren, der durch den aktuellen allgemeinen Schuldenabbau entstanden ist. Zugleich würde sie den Euro auch unter Abwertungsdruck setzen. Aber ist es nicht besser, einen schwachen als gar keinen Euro zu haben?

Die Lage ist ernst und verlangt sofortiges Handeln. Das Auf und Ab des europäischen Einheitswerks bewirkt, dass weder die Politik noch irgendeine andere Institution als die EZB in der Lage ist, entschieden zu handeln. Daher kommt Ihnen die nicht ungefährliche Aufgabe zu, dieses Vakuum zu füllen. 

Ich hoffe, dass sich der eifrige Spitzenbeamte als wahrer Staatsmann erweist. In diesem Sinne möchte ich Ihnen freundliche Grüße übermitteln.

 

Edouard Carmignac

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